Wenn das Gedächtnis nachlässt

Eine krankheitsgerechte Umgestaltung des häuslichen Umfeldes ermöglicht es, Demenzkranke so lange wie möglich zu Hause zu versorgen.

In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an einer Gedächtnisstörung (Demenz). Die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken steigt mit dem Lebensalter: Während mit 60 Jahren etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist, sind es im Alter von 85 Jahren bereits 25 Prozent. Am bekanntesten ist die Alzheimer’sche Erkrankung, Sie ist ein langsam fortschreitender Krankheitsprozess, bei dem über viele Jahre hinweg Neuronen (Nervenzellen) im Gehirn absterben. Anfangs ist der seitliche Gehirnanteil (Temporallappen) betroffen, später kommt es zu einer umfassenden Hirnatrophie (Schrumpfung). Eine andere Form der Demenz und zugleich die Häufigste ist, die Arteriosklerotische Demenz, eine Durchblutungsstörung, die umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt wird.

Eine andere Ursache für Gedächtnisstörungen kann eine entzündliche Erkrankung der Arterien (Adern) sein. Auch bei der Parkinson’schen Erkrankung und im Verlauf einer Altersdepression treten nicht selten neben Antriebs- und Motivationsverlust und Ängstlichkeit auch Denkstörungen auf, die einer Demenz sehr ähnlich sind. Da dieselben Symptome der Alzheimer-Erkrankung vorausgehen können, ist eine eindeutige Unterscheidung oft nicht leicht. Grundsätzlich sollten alle Symptome von einem spezialisierten Neurologen untersucht werden, nur dann kann eine genaue Diagnose gestellt werden.

Zur Untersuchung sollten Sie dann gehen, wenn Sie folgende Störungen über mehrere Monate an sich selbst oder Ihren Angehörigen beobachten: Anfangs lässt die Merkfähigkeit nach und die Wiedergabe von früher gemerkten Gegenständen ist beeinträchtigt, später verliert man auch vertraute und erlernte Inhalte und Handlungsabläufe. Das Abstraktionsdenken und die Urteilskraft nehmen ab. Es kommt zu Wahrnehmungsstörungen, Verwirrtheit, Störungen im sozialen Verhalten und Antriebslosigkeit. Anhand einer ausführlichen Anamnese (Gespräch), einer neurologischen körperlichen Untersuchung, psychologischen Testreihen und eventuell einer Kernspintomographie des Gehirns stellt der Neurologe die Diagnose. Auch blutchemische Untersuchungen zur Erkennung von entzündlichen Erkrankungen sind sinnvoll.

Mittlerweile gibt es auch wirkungsvolle Medikamente (Acetylcholinesterase-Hemmer, Glutamatrezeptor-Antagonisten). Sie sollten in ausreichender Dosierung mindestens sechs Monate lang gegeben werden. Zur besseren Verträglichkeit dosiert man sie allmählich höher, da einige Nebenwirkungen wie verlangsamter Herzschlag, Übelkeit und Harnverhalt auftreten könnten. Auch niedrig dosierte Neuroleptika, z.B. Risperdon, werden insbesondere bei Halluzinationen eingesetzt. Wichtig ist auch eine krankheitsgerechte Umgestaltung des häuslichen Umfeldes, mit dem Ziel, die Versorgung zu Hause so lange wie möglich zu erhalten. Dazu gehören die Beratung pflegender Angehöriger, etwa durch die Angebote der Alzheimer Gesellschaft und Gedächtnistraining, das in spezialisierten Einrichtungen erlernt werden kann.

Beratung
Alzheimer Gesellschaft München e.V., Josephsburgstr. 92, Tel. 089/47 51 85, www.agm-online.de

Hinweis
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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